Nachdrucke - Band 1
»Neuausgabe der Herrmann-Knothe-Schriften« - Herausgegeben von Danny Weber und Matthias Herrmann
Das Projekt – Neuausgabe von Hermann-Knothe-Schriften
Bis heute fehlt es an einer quellengesättigten Darstellung der Oberlausitzischen Landesgeschichte. Die Gründe hierfür sind vielschichtiger Natur. Die Oberlausitz hatte nie einen Landesherren, der seinen Herrschaftsmittelpunkt im Land selbst hatte und somit zum Zentrum von „Geschichtspflege“ hätte werden können. Ferner gab es zu keiner Zeit eine universitäre Einrichtung in der Oberlausitz, die als zentrale Forschungseinrichtung Fragen der Landesgeschichte hätte aufgreifen können. Die Rolle einer Universität übernahm teilweise im 19. und frühen 20. Jahrhundert die Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften (gegr. 1779). Hier trafen sich Gelehrte, die sich dezidiert mit der Oberlausitzischen Landesgeschichte beschäftigten. Der bedeutendste unter ihnen war der am 9. Oktober 1821 in Hirschfelde bei Zittau geborene Hermann Friedrich Knothe.
Knothe entwickelte während seines langen Forscherlebens eine breite Forschungs- und Publikationstätigkeit, wovon u. a. rund 150 Publikationen, darunter sieben Monographien, zeugen. Besonders zu würdigen in diesem Zusammenhang sind seine Arbeiten zur Adels-, Rechts- und Wirtschaftsgeschichte der Oberlausitz und die Herausgabe des Urkundenbuchs für die Städte Kamenz und Löbau.
In einem Kolloquium anlässlich seines 100. Todestages im Jahr 2003 wurden die Forschungsleistungen Knothes gewürdigt und einer erneuten Prüfung unterzogen. Dabei kamen die vertretenen Wissenschaftler zu dem (fast) einmütigen Urteil, dass die Arbeiten Hermann Knothes immer noch in vielen Bereichen als Standardwerke anzusehen sind. Gleichzeitig wurde festgestellt, dass es wünschenswert wäre seine Arbeiten „präsenter“ zu haben, denn die von ihm erarbeiteten Forschungsergebnisse fanden Eingang in mehr als 20 Periodika der Zeit, welche heute mitunter nur noch mit Mühe zu erreichen sind. Als Ergebnis der Tagung wurde daher die Neuauflage einer Auswahl seiner Schriften befürwortet.
Danny Weber als Herausgeber und der junge Meine Verlag aus Leipzig geben zusammen sukzessiv eine Auswahl von Hermann-Knothe-Schriften heraus.
Folgende Ausgaben an Schriften sind geplant
- Die verschiedenen Benennungen des jetzigen Markgraftums Oberlausitz
- Die politischen Beziehungen zwischen der Oberlausitz und Meissen
- Höherer und niederer Adel in der Oberlausitz
- Geschichte der Herren von Kamenz
- Der Antheil der Oberlausitz an den Anfängen des 30jährigen Krieges
- Die Bemühungen der Oberlausitz um einen Majestätsbrief
- Die geistlichen Güter in der Oberlausitz
- Die Franziskanerklöster zu Löbau und Kamenz
- Nachtrag zur Geschichte des Franziskanerklosters zu Kamenz
- Zur Geschichte der Juden in der Oberlausitz während des Mittelalters
- Die Stellung der Gutsunterthanen in der Oberlausitz zu ihren Gutsherrschaften
- Das Fehmgericht in der Oberlausitz
- Die Oberlausitzer auf Universitäten während des Mittelalters und bis zum Jahre 1550
- Das Landeswappen der Oberlausitz
- Zur Geschichte des Münzwesens in der Oberlausitz
- Die Hausmarke in der Oberlausitz
„Urkundlichen Grundlagen einer Rechtsgeschichte der Oberlausitz“
Mit dieser Schrift verfolgte Knothe das Ziel, die vielfachen Wandlungen der Verfassungsverhältnisse des Landes bis ins 16. Jahrhundert darzustellen. Es ist eine Verfassungsgeschichte der Oberlausitz, in der auch rechtliche Fragen und Fragen der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, schließlich sogar der Militärgeschichte Behandlung finden. Knothe untersucht die Institutionen des Landesherrn im Land, geht auf die Verfassung der Städte ein, wendet sich fiskalischen Aspekten der Landesherrschaft zu, referiert über das Gerichtswesen, über das wechselreiche Verhältnis zwischen Adel und Bürgern in der Oberlausitz und macht auch nicht vor der Beschreibung der sogenannten „großen Görlitzer Büchse“, einer im 15. Jahrhundert verwendeten Kanone, halt. Konzeptionell legt er hiermit den Grundriss für eine Landesgeschichte der älteren Zeit vor.
Der Herausgeber der vorliegenden Ausgabe der „Rechtsgeschichte“ verbindet mit der Neuauflage die Hoffnung, dass diese grundlegende Arbeit Knothes sowohl von Historikern als auch von historisch interessierten Laien positiv aufgenommen und als Grundlage für neuere bzw. weitergehende Forschungen Verwendung finden wird.
Die Herausgeber
Danny Weber
Dr. phil., geb. 1978, 1996 bis 2003 Studium der Mittleren und Neueren Geschichte, Politikwissenschaften, Historischen Hilfswissenschaften/Archivwissenschaften an der Universität Leipzig, 2003 bis 2007 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Seminar der Universität Leipzig, 2007 Promotion an der Universität Leipzig, seit Mai 2007 Staatsarchivreferandar beim nordrhein-westfälischen Staats- und Personenstandsarchiv in Detmold, Mitglied der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften, Redakteur des Neuen Lausitzischen Magazins.
Matthias Herrmann
Dr. phil., 1961–2007, Studium der Archivwissenschaft in Berlin, 1991–2006 Leiter des Stadtarchivs in Kamenz, ab 2006 Leiter des Kamenzer Lessingmuseums.